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Komplexe Gesellschaft. Eine der möglichen Luhmannschen Soziologien

Bela Pokol

ISBN 978-3-89722-667-8
262 pages, year of publication: 2001
price: 17.50 €
Für jede heutige Gesellschaft, die ein gewisses Niveau der Industrialisierung, der Urbanisierung und eine Ebene der massenhaften Bildung erreicht hat und dabei die Bewusstseinsgrundlagen des massenhaften Politisierens bereits geschaffen hat, ergibt sich die Frage: Wie kann eine politische Stabilität so aufrechterhalten werden, dass dabei das massenhafte Politisieren frei gestattet wird und die Verschiebung der politischen Meinungen der Masse ohne Explosion zu einer Änderung der staatlichen Politik führen kann?

In einzelnen fernöstlichen Ländern konnten die Strukturen der wirtschaftlichen Rationalität erfolgreich ausgestaltet werden, doch ab einem bestimmten Entwicklungsniveau stellt der Mangel der auf den gesellschaftlichen Konsens begründeten politischen Strukturen die gesamte bisher erreichte Entwicklung in Frage - so wie das neuerdings die politischen Ereignisse in Südkorea zeigen.

In den heutigen osteuropäischen Ländern ist das Problem der Modernisierung in den letzten Jahrzehnten besonders bedrückend. Die Grundlagen der Industrialisierung, die Bildung der Massen und die Urbanisierung wurden hier unter völliger Zerschmetterung der Autonomien verwirklicht und durch zentralisierte Lenkung der Staatsmacht ersetzt. Nach Erreichen einer gesellschaftlichen Entwicklung hat sich dies in vollem Maße als Sackgasse erwiesen. Die zentralisierte und nach im voraus gesteckten Zielen funktionierende stalinistische Staatsmacht konnte beschleunigt gewisse elementare Modernisierungserrungenschaften schaffen, aber nach Erreichen einer Komplexität wurden gerade die Mechanismen unerlässlich, welche von der stalinistischen Modernisierungslogik der Durchführung der beschleunigten Industrialisierung zuliebe zerschlagen worden waren; autonome wirtschaftliche Rationalität, auf den gesellschaftlichen Konsens aufbauende Staatsmachtstrukturen, die autonome Justiz und die fachgerecht und rechtlich geregelte Verwaltung.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird ein umfassender theoretischer Begriffsrahmen für die gesellschaftlichen Funktionssysteme entfaltet. Der Ausgangspunkt wird von der Theorie von Niklas Luhmann genommen, aber dann werden einige Modifizierungen dieser Theorie unternommen, und ein eigener Begriffsrahmen wird ausgestaltet. Die wichtigste Modifizierung besteht in der Einengung der Grenzen der gesellschaftlichen Funktionssysteme auf die professionellen Komponenten, und als Konsequenz dieser Modifizierung wird die Kategorie des Alltagslebens in die Luhmannsche Theorie eingeführt. Auf diese Weise wird die Modernisierung der komplexen Gesellschaften als Hervorhebung der professionellen Institutionssysteme aus dem diffusen Alltagsleben thematisiert. Damit wird die Theorie von Luhmannn der Theorie von Jürgen Habermas und in bestimmten Hinsichten der Theorie von Richard Münch nähergebracht.

Im zweiten Teil wird die Theorie der professionellen Institutionssysteme auf das System der Wissenschaft, das politische System und das Rechtssystem angewendet.

Keywords:
  • Systemtheorie
  • Professionen
  • Luhmann
  • Habermas
  • Handlungstheorie

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