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Die Veränderung von Maskulinität und Feminität durch Paargruppenanalyse

Hans Huttner

ISBN 978-3-89722-567-1
234 pages, year of publication: 2001
price: 40.50 €
Die Bedeutung von Geschlechtsrollen für die Gestaltung von Paarbeziehungen und für die Entstehung von Paarkonflikten ist ein beliebtes Thema von Beziehungsratgebern. Dort werden Männer und Frauen gerne auf geschlechtsstereotype Eigenschaften reduziert bis sie so unterschiedlich erscheinen, als kämen sie von verschiedenen Planeten. Dieser übertriebene Unterschied wird dann als Erklärung für verschiedenste Probleme in der Beziehung herangezogen. Der Konflikt von Beziehungspartnern wird so zu einem Kampf der Geschlechter stilisiert.

Daß Männer und Frauen unterschiedliche psychische Strukturen entwickeln, ist seit der psychoanalytischen Arbeit Freuds erklärbar. Warum dieser Unterschied so überschätzt wird, zeigt die Betrachtung des Geschlechts als eine kognitive Struktur, welche die Wahrnehmung formt. Wie geschlechtsstereotype Verhaltensweisen bei Männern und Frauen erst entstehen, wenn diese miteinander in Beziehung treten, wird bei der Darstellung von Geschlechtsstereotypen, Geschlechtsrollen und den daran gebundenen Erwartungen deutlich. Werden Inhalte der Geschlechtsrollen in das Selbstbild übernommen, spricht man von einer maskulinen und femininen Geschlechtsrollenidentität oder von Maskulinität und Femininität.

Bevor auf die Bedeutung von Maskulinität und Femininität für die Paarbeziehung eingegangen werden kann, wird die Paargruppenanalyse nach Prof. Dr. med. Michael Lukas Moeller vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine psychoanalytische Gruppenselbsterfahrung, an der die hier untersuchten Paare teilnehmen.

Aufbauend auf den zentralen Konzepten der Paargruppenanalyse wird die Operationalisierung von Maskulinität und Femininität in der Interaktion der Beziehungspartner entwickelt. Um Phänomene wie Übertragung, Gegenübertragung, Projektion und die Verteilung der Geschlechtsrollen innerhalb der Beziehung erfassen zu können, beschreiben beide Beziehungspartner ihr Erleben der Beziehung aus verschiedenen Perspektiven, dem Selbstbild, dem Beziehungsbild und dem Partnerbild.

Die vergleichende Betrachtung dieser Perspektiven ermöglicht Einsichten in die komplexe Interaktion der Beziehungspartner. Anhand von empirischen Befunden wird die Bedeutung von Maskulinität und Femininität für die Interaktion der Beziehungspartner dargestellt. Im Konzept der Paargruppenanalyse wird der Konflikt zweier Partner als eine Störung ihrer Interaktion verstanden, die es zu beheben gilt. So erscheint eine Veränderung von Maskulinität und Femininität in der Interaktion der Beziehungspartner bei der Lösung von Paarkonflikten und der Entwicklung der Paarbeziehung durch die Paargruppenanalyse beinahe unausweichlich. Diese Veränderung von Maskulinität und Femininität durch Paargruppenanalyse zu untersuchen, ist das Ziel dieser Arbeit.

Da es bisher jedoch kein Instrument gibt, das Maskulinität und Femininität in der Interaktion der Beziehungspartner erfassen kann, wird zur Messung der Veränderung von Maskulinität und Femininität durch Paargruppenanalyse in dieser Arbeit ein geeignetes Meßinstrument konstruiert. Dazu werden in einer Voruntersuchung aus dem Itempool des Gießen-Tests, einem seit langem in der Paardiagnostik bewährten Instrument, diejenigen Items ausgewählt, die maskuline und feminine Inhalte beschreiben. Aus diesen Items werden dann zwei voneinander unabhängige Skalen für Maskulinität und Femininität konstruiert. Damit ist erstmals die Untersuchung von Maskulinität und Femininität in der Interaktion von Beziehungspartnern möglich. Dazu werden 26 Paare in die Stichprobe aufgenommen. Insgesamt ergibt die Untersuchung ein komplexes Bild der Veränderung. So sind bei beiden Beziehungspartnern Veränderungen von Maskulinität und Femininität nachweisbar, die als Emanzipation von traditionellen Geschlechtsrollenerwartungen verstanden werden und auch eine Verminderung der bipersonal organisierten Abwehr innerhalb der Beziehung reflektieren. Es werden aber auch bei beiden Beziehungspartnern Widerstände gegen diese Veränderungen sichtbar, die zunächst nur eine Entwicklung außerhalb der jeweils geschlechtstypischen Kernkompetenzen zu gestatten scheinen.

So findet die Emanzipation der Männer von maskulinen Rollenerwartungen eher innerhalb der Beziehung statt, während sie nach außen ihre maskuline Fassade erhalten. Die Emanzipation der Frauen von femininen Erwartungen findet eher außerhalb der Beziehung statt, während sie in der Beziehung weiter die feminine Rolle alleine für sich beanspruchen.

Neben den Prozessen der Emanzipation und Verminderung von Abwehr finden sich auch Hinweise auf eine Verbesserung des emotionalen Klimas in der Beziehung, in der zunehmend Vertrauen, Offenheit und Nähe möglich sind.

Keywords:
  • Maskulinität
  • Femininität
  • Paartherapie
  • Gruppentherapie
  • Gießen-Test

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