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Religion in anderer Sprache. Entstehung, Bewahrung und Funktion religiös bedingter Diglossie

Ute Schleiff

ISBN 978-3-8325-0978-1
233 pages, year of publication: 2005
price: 40.50 €
Gegenstand der Arbeit ist die in vielen Religionen verbreitete Verwendung einer besonderen, von der im Alltag gebrauchten abweichenden Sprache. Auf der Grundlage der detaillierten Beschreibung einiger Fälle dieser Sonderform der Diglossie werden Entstehung, Aufrechterhaltung und Funktionen von Religionssprachen untersucht.

Bei der Entstehung der religiösen Diglossie lassen sich zwei Haupttypen unterscheiden, je nach dem ob die Religionssprache zuvor eine L- oder eine H-Position einnahm. Aus einer L-Sprache entwickeln sich Religionssprachen typischerweise in Minderheitensituationen, ein häufiger Fall der Entwicklung aus einem H sind dagegen expansive Religionen, die sich in einer Phase der Stärke über ihr ursprüngliches Sprachgebiet hinaus ausbreiten. Dass sowohl H- als auch L-Sprachen zu Religionssprachen werden können, zeigt, dass die religiöse Domäne nicht eindeutig den H-Domänen zugerechnet werden kann, sondern vor allem in ihrer Bedeutung für die Identitätssicherung auch Gemeinsamkeiten mit L-Domänen aufweist. Ein Sonderfall ist die sprachinterne Entwicklung der Diglossie, bei der die Sprache der religiösen Domäne den Sprachwandel in anderen Domänen nicht mitvollzieht. Da diese Religionssprache ebenfalls über die H-Domänen zustande kommt und häufig zugleich eine Expansion stattfindet, wurde sie dem zweiten Typ zugeordnet. Für einen dritten Entstehungstyp, bei dem die Religionssprache eine Innovation darstellt, fanden sich nur wenige Beispiele, deren Einordnung als Diglossie zudem zweifelhaft ist. Häufiger entstehen so religiöse Register oder Argots. Doch auch diese belegen eine Tendenz der sprachlichen Absonderung der religiösen Domäne von anderen Domänen. Zur großen Konservativität der Religionssprache und damit zur Stabilität der Diglossie trägt bei, dass die Religion keine Domäne des natürlichen Spracherwerbs ist. Eine abweichende Religionssprache muss daher institutionell vermittelt werden und unterliegt nicht dem im natürlichen Erwerbsprozess stattfindenden Sprachwandel. Da die referentielle Sprachfunktion im religiös-rituellen Sprachgebrauch nur eine untergeordnete Rolle spielt, wird sie im Unterricht nur dann weitergegeben, wenn die Religionssprache auch anderen Verwendungsweisen dient, ansonsten wird das weniger aufwändige Textlernen dem Lernen des Sprachsystems vorgezogen.

Die Abhängigkeit von der institutionellen Vermittlung bedeutet, dass Religionssprachen durch die Einführung säkularer Bildungssysteme unter Druck geraten. Für moderne Gesellschaften sind Religionssprachen daher ambivalent. Sie tragen als Identitätsmarker zur Stabilisierung der Gesellschaft bei, können aber in Konkurrenz zu anderen Bildungsinhalten treten.

Die am Kommunikationsmodell orientierte Analyse zeigte einige Besonderheiten der Funktionen religiöser Sprachverwendung. Auf Seiten der Kommunikationspartner dominiert in religiösen Sprachäußerungen die Ausdrucksfunktion, was sich aus der wichtigen Rolle der Religion für die Konstruktion kollektiver Identitäten und dem geringen Bedürfnis nach Informationsvermittlung innerhalb der Religion ergibt. Zum anderen zeichnen sich viele religiöse Sprachverwendungen durch die (vermeinte) Beteiligung eines untypischen Kommunikationspartners aus. Da die Konversationsmaximen jedoch in Geltung bleiben, folgen aus dieser Beteiligung untypische (und insofern wieder kongruente) Sprachverwendungen.

Die Zeichenrelation der Sprache wird in der religiösen Sprachnutzung gelockert, auf die eindeutige Dekodierung der Sprachzeichen kann verzichtet werden. Die Sprache wird in ihrer religiösen Verwendung weniger als Code angesehen, sondern fällt mit dem Dargestellten in eins, sie gilt daher als unabhängig von ihrer Zeichenhaftigkeit wirksam und übernimmt die Funktion einer direkten Beeinflussung der Wirklichkeit. Die festgestellten Besonderheiten erfordern nicht zwingend den Gebrauch einer fremden Sprache in der religiösen Domäne, sie begünstigen ihn aber und tragen daher zur Stabilität religiöser Diglossien bei.

Gegenstand der Arbeit ist die in vielen Religionen verbreitete Verwendung einer besonderen, von der im Alltag gebrauchten abweichenden Sprache. Auf der Grundlage der detaillierten Beschreibung einiger Fälle dieser Sonderform der Diglossie werden Entstehung, Aufrechterhaltung und Funktionen von Religionssprachen untersucht.

Bei der Entstehung der religiösen Diglossie lassen sich zwei Haupttypen unterscheiden, je nach dem ob die Religionssprache zuvor eine L- oder eine H-Position einnahm. Aus einer L-Sprache entwickeln sich Religionssprachen typischerweise in Minderheitensituationen, ein häufiger Fall der Entwicklung aus einem H sind dagegen expansive Religionen, die sich in einer Phase der Stärke über ihr ursprüngliches Sprachgebiet hinaus ausbreiten. Dass sowohl H- als auch L-Sprachen zu Religionssprachen werden können, zeigt, dass die religiöse Domäne nicht eindeutig den H-Domänen zugerechnet werden kann, sondern vor allem in ihrer Bedeutung für die Identitätssicherung auch Gemeinsamkeiten mit L-Domänen aufweist. Ein Sonderfall ist die sprachinterne Entwicklung der Diglossie, bei der die Sprache der religiösen Domäne den Sprachwandel in anderen Domänen nicht mitvollzieht. Da diese Religionssprache ebenfalls über die H-Domänen zustande kommt und häufig zugleich eine Expansion stattfindet, wurde sie dem zweiten Typ zugeordnet. Für einen dritten Entstehungstyp, bei dem die Religionssprache eine Innovation darstellt, fanden sich nur wenige Beispiele, deren Einordnung als Diglossie zudem zweifelhaft ist. Häufiger entstehen so religiöse Register oder Argots. Doch auch diese belegen eine Tendenz der sprachlichen Absonderung der religiösen Domäne von anderen Domänen.

Zur großen Konservativität der Religionssprache und damit zur Stabilität der Diglossie trägt bei, dass die Religion keine Domäne des natürlichen Spracherwerbs ist. Eine abweichende Religionssprache muss daher institutionell vermittelt werden und unterliegt nicht dem im natürlichen Erwerbsprozess stattfindenden Sprachwandel. Da die referentielle Sprachfunktion im religiös-rituellen Sprachgebrauch nur eine untergeordnete Rolle spielt, wird sie im Unterricht nur dann weitergegeben, wenn die Religionssprache auch anderen Verwendungsweisen dient, ansonsten wird das weniger aufwändige Textlernen dem Lernen des Sprachsystems vorgezogen.

Die Abhängigkeit von der institutionellen Vermittlung bedeutet, dass Religionssprachen durch die Einführung säkularer Bildungssysteme unter Druck geraten. Für moderne Gesellschaften sind Religionssprachen daher ambivalent. Sie tragen als Identitätsmarker zur Stabilisierung der Gesellschaft bei, können aber in Konkurrenz zu anderen Bildungsinhalten treten.

Die am Kommunikationsmodell orientierte Analyse zeigte einige Besonderheiten der Funktionen religiöser Sprachverwendung. Auf Seiten der Kommunikationspartner dominiert in religiösen Sprachäußerungen die Ausdrucksfunktion, was sich aus der wichtigen Rolle der Religion für die Konstruktion kollektiver Identitäten und dem geringen Bedürfnis nach Informationsvermittlung innerhalb der Religion ergibt. Zum anderen zeichnen sich viele religiöse Sprachverwendungen durch die (vermeinte) Beteiligung eines untypischen Kommunikationspartners aus. Da die Konversationsmaximen jedoch in Geltung bleiben, folgen aus dieser Beteiligung untypische (und insofern wieder kongruente) Sprachverwendungen. Die Zeichenrelation der Sprache wird in der religiösen Sprachnutzung gelockert, auf die eindeutige Dekodierung der Sprachzeichen kann verzichtet werden. Die Sprache wird in ihrer religiösen Verwendung weniger als Code angesehen, sondern fällt mit dem Dargestellten in eins, sie gilt daher als unabhängig von ihrer Zeichenhaftigkeit wirksam und übernimmt die Funktion einer direkten Beeinflussung der Wirklichkeit. Die festgestellten Besonderheiten erfordern nicht zwingend den Gebrauch einer fremden Sprache in der religiösen Domäne, sie begünstigen ihn aber und tragen daher zur Stabilität religiöser Diglossien bei.

Keywords:
  • Mehrsprachigkeit
  • Religionssprachen
  • Domänen
  • Judentum
  • Hinduismus

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