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Restrukturierung indigenen Heilwissens: Eine Konzeptstudie zur Problemanalyse der Ethnomedizin im medizinischen Pluralismus

Matthias Lauer

ISBN 978-3-89722-520-6
324 pages, year of publication: 2000
price: 40.50 €
Seit Ende der 60er Jahre zeichnet sich eine fundamentale Neubewertung sog. primitiver und traditioneller medizinischer Praktiken in Forschung und medizinischer Praxis ab. Was ehedem als ohnehin im Prozess der Modernisierung verschwindendes Relikt einer archaischen Epoche galt, was lediglich für Untersuchungen überlieferter Formen des "Aberglaubens" als würdig befunden wurde, erlebt seit dieser Zeit im langfristigen Trend ein zunehmendes wissenschaftliches und praktisch-medizinisches Interesse. Legion sind mittlerweile zumindest in der englischsprachigen Fachliteratur die Untersuchungen zu Aspekten fremder Konzeptionen von Krankheit und Heilung. Nicht mehr selten ist die Übernahme solcher Praktiken in die moderne Medizin und Pharmakologie, sei es als auf Kenntnisse von Medizinmännern zurückgehende Medikamention (z.B.Betablocker), sei es als unmittelbare Aufnahme von rituellen Heilweisen. Vor diesem Hintergrund wird auch die Integration indigener Heilpraktiker/innen in das biomedizinisch gestaltete Gesundheitswesen angestrebt. Als wichtigster Begründungszusammenhang erscheint dabei schon auf den ersten Blick - neben rein ökonomischen Erwägungen oder pharmazeutischem Interesse - die Behauptung tiefgreifender Defizite der sog. westlichen Schulmedizin, die für einige Stimmen generell die Übertragbarkeit dieser Regeln und Praktiken auf die Situation der Entwicklungsländer fragwürdig erscheinen lassen. Demgegenüber werden Positionen laut, welche indigene Heilpraktiken als konkrete Ethnomedizin für die Bedingungen der gewöhnlich so aufgefassten Entwicklungsländer als generell besser angepasst erachten. Hier ist auch die Frage nach dem Austausch beider Bereiche zu stellen. Diese Problematik ist aber nicht nur eine der tropenmedizinischen Entwicklungszusammenarbeit, die Konfrontation mit fremdkulturellen medizinischen Praktiken ergab sich auch aus Migrationsprozessen. In den letzten Jahren entstanden daher in der Bundesrepublik einige "Ethnomedizinische Zentren".

Die Präsenz indigenen Heilwissens ist in der Gegenwart nicht nur im engeren medizinischen Sinn gegeben, sondern auch in Formen der westlichen "Alternativkultur", in konkreten religiösen bzw, religioiden Konzepten (New Age, Wicca- und andere "Neue Hexen"-Bewegungen, Wild Men-Bewegung, spiritueller Ökofeminismus).

Diese Arbeit trifft allgemeine Aussagen über Sachverhalte, die unter der Bezeichnung indigenen Heilwissens zusammengefasst werden können. Da die ersten Erörterungen religionswissenschaftlicher Art waren, besitzt die Arbeit einen interdisziplinären Charakter. Weiter geht der Verfasser auf die "Aufwertung" dieses Heilwissens ein und die Versuche, dieses in tropen- und migrationsmedizinischen Bereichen zu integrieren. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur anhaltenden Debatte um den Stellenwert eines "primitiven", "archaischen" Bemühens um Gesundheit und Heil in einer "modernen" und "globalisierten" Welt.

Keywords:
  • Ethnomedizin
  • Indigenes Wissen
  • Strukturierungstheorie

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