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Saaten des Wandels - Landnutzungsveränderungen in der Maasaisteppe (Nordtansania) diskutiert im Kontext 'nachhaltiger Entwicklung' als Bewahrung der Resilience von Mensch-Umwelt-Systemen

Sven Schade

ISBN 978-3-89722-394-3
57 Seiten, Erscheinungsjahr: 2000
Preis: 40.50 €
Zusammenfassung

Die Region um die Stadt Arusha im Norden Tansanias, nahe der weltbekannten Naturparks Serengeti, Kilimanjaro, Ngorongoro-Krater und des Tarangire Nationalparks gehört zu den seit langen gut erschlossenen Gebieten Ostafrikas. Das Land ist traditionelles Siedlungsgebiet der Maasai, deren Wirtschaft sich auf einen transhumanten Pastoralismus gründet. Die Religion der Maasai, ihre Insitutionen im täglichen Umgang mit der Natur, verbunden mit einer geringen Siedlungsdichte und geringem Zuwanderungsdruck in die zumeist semiariden Gebiete bewahrten eine Tierwelt, die heute die Basis der touristischen Nutzung darstellt.

Der autochthone transhumante Patoralismus ist Teil eines sich wandelnden Mensch - Umwelt Systems. Neue Landnutzungsformen verbreiten sich während der letzten 20 Jahre in der Region. Bevölkerungswachstum in den benachbarten landwirtschatlichen Gebieten führt zu Zuwanderung und zur ackerbaulichen Nutzung von Gunststandorten in den Trockenregionen; die Ausweisung von Nationalparks und Wildschutzgebieten schränkt die Ressourcen für die Viehwirtschaft erheblich ein; die Nachfrage nach Holzkohle in den Städten gestaltet die Vegetation in kurzer Zeit um, wobei mit der Baumsavanne auch die Tsetse-Fliegen verschwinden und so neues Weideland entsteht. Der stärkste Impuls entsteht dabei aus den Wirtschaftsreformen seit dem Ende der Ujamaa-Politik, des afrikanischen Sozialismus, Mitte der 80er Jahre. Die wirtschaftlichen Reformen machten langfristige individuelle Pachtverträge für große Flächen möglich und führten zu einer schnellen Ausweitung neuer Formen des mechanisierten Ackerbaus in dem Gebiet.

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Dorf Naberera rund 120km südlich der Stadt Arusha in der Maasaisteppe. Seit Beginn der 80er Jahre wird dort, zunächst durch ein tansanisch-niederländisch Joint Venture später auch von zahlreichen tansanischen Firmen großflächig Bohnensaatgut für den Weltmarkt vermehrt. In den 90er Jahren ist die Region Zentrum der Produktion von Holzkohle, die überwiegend von saisonalen Zuwanderen hergestellt wird. Zeitgleich erwerben immer mehr vor Ort ansässige Maasai individuelle Rechte an Land und betreiben selbst Ackerbau oder verpachten ihre Flächen. Dies alles führt zu einer hochdynamischen Entwicklung sowohl der Gesellschaft wie der Natur.

1983 wurde der Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" erstmals öffentlich diskutiert. Seit dem "Erdgipfel" in Rio de Janeiro 1992 wird er in den verschiedensten Zusammenhängen verwendet und droht zu einem inhaltslosen Schlagwort zu werden. Zum Teil ist dies im ungelösten Problem der Indikatorenfindung zur Kennzeichnung der Nachhaltigkeit sowohl der ökologischen, wie der ökonomischen und sozialen Bedingungen bzw. Veränderungen begründet. Diese Arbeit liefert einen Ansatz zur Lösung des Problems der Indikatorenbildung.

Ausgehend von der ökologischen Systemeigenschaft "Resilience", im Sinne von Holling (1972) als Beständigkeit zentraler Systemstrukturen unter Streß gebraucht, werden die Grundbedigungen für hohe Resilience eines Mensch - Umwelt Systems am Beispiel der sich wandelnden Landnutzung in Naberera identifiziert. Die empirische Untersuchung der Rahmenbedingungen und der Folgen des Landnutzungswandels umfasst unter anderem die Veränderung des Ökosystems am Beispiel der Habitatveränderung für Schlüsselarten der Savanne, die Partzipationsmöglichkeiten an institutionellen Reformen und schließt Untersuchungen zur mikro- und makroökonomischen Effizenz der Ressourcennutzung durch die verschiedenen Landnutzungssysteme ein.

Mit Hilfe des gewählten Indikatorensystems werden die Defizite der Nachhaltigkeit in einzelnen Bereichen des Mensch - Umwelt Systems identifiziert und Aussichten für die weitere Entwicklung des Pastoralismus in der Untersuchungsregion formuliert.


Abstract

Arusha Region in North Tanzania, in the vicinity of the world famous natural parks Serengeti, Kilimanjaro, Ngorongoro Crater and Tarangire has been for a long time one of the more easily accessible parts of Eastern Africa. The country is the traditional settlement area of the Maasai, whose economy is based on transhumant pastoralism. Maasai religion, their institutions for the everyday's use of nature, combined with a sparse population density and low pressure from migration into the semi-arid ares preserved a unique fauna that is the basis of a flourishing tourism industry today.

The autochthonous transhumant pastoralism is part of changing man - nature system New land use systems have spread in the region: Population growth in the neighboring farming areas led to inward migration and turned the higher potential spots within the drylands into farming lands; the state established national parks and game reserved ares, that severly limited the pastoralists' use of resources in the affected areas; the rising demand of charcoal in the urban areas resulted in a changing vegetation, that turned dense savanne woodlands, the preferred habitat of tsetse flies, into accessible new grazing land. The strongest impetus has come from the economic reforms since the end of Ujamma-policy, the African socialism, in the mid 80s. The economic reform made lomg term individual leaseholds of large plots possible and led to a fast expansion of new forms of mechanised farming in the area.

The changes are most obvious in the village of Naberera in the centre of the Maasaisteppe, 120 km south of Arusha town. Since the early 80s farms have multiplied seed beans for the world market on a large scale. The innovation was brought by a Dutch-Tanzanian joint venture and copied later by a number of Tanzanian investors. In the 90s the region became the centre of the production of charcoal mainly by seasonal migrants. At the same time local Maasai acquired individual leasehold titles and began to farm for their own benefit or subleased the lands. All these points have resulted in a very dynamic development of nature and society.

In 1983 the term "sustainable development" was publicly discussed for the first time. Since the "Earth Summit" in Rio de Janeiro in 1992 the term is used in different connections and is theatened to turn into a meaningless catchphrase. One of the reasons for this is the unsolved problem of finding indicators that not only characterise ecological, economic and social aspects of land use alternatives but also allow to assess the development process. This work offers a starting point for solving the problem of finding indicators and assesses the ongoing change in the village of Naberera.

Proceeding from the ecological system's property 'resilience', as defined by Holling (1972) as persistency of central system's structures under stress, the base conditions for a high resilience of the man-nature-system are identified using the changing land use in Naberera as an example. The empiric study of the general conditions and results of the land use change includes, among other subsystems, the changing ecosystems characterized by the change in habitats of keystone species, the possibilities to participate in the reform of institutions and includes the analysis of micro- and macroeconomic efficiency of resource use by the different land use systems.

The chosen indicator set contributes to identify deficits in the sustainability of some subsystems of the man-nature-system and allows to formulate future perspectives of pastoralism in the study area.

Keywords:
  • Landnutzung
  • Resilience
  • Nachhaltige Entwicklung
  • Tansania
  • Maasai

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