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Das Produktionsmodell der DDR. Versuch einer Annäherung

Stefan Wogawa

ISBN 978-3-931216-39-9
105 Seiten, Erscheinungsjahr: 1997
Preis: 25.00 €
Bei der Beschäftigung mit dem Produktionsmodell der DDR fällt auf, dass viel Literatur zur wirtschaftlichen Entwicklung der DDR vorhanden ist, es jedoch nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten bei ihrer Nutzung gibt.

Die Verwertung von DDR-Literatur wird dadurch erschwert, dass Veröffentlichungen zu wirtschaftlichen Themen häufig stark ideologisiert waren. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik wurde von der SED als Kernpunkt ihrer Gesellschaftsstrategie angesehen, diese wiederum als ein kontinuierlicher Erfolgsprozess interpretiert, so dass für kritische Reflexionen in der Regel kein Platz war. Die DDR-Literatur stellt bei ihrer Rezeption also hohe Anforderungen hermeneutischer Art, um überhaupt sinnvoll genutzt werden zu können.

Veröffentlichungen der Wendezeit sind demgegenüber von einer Fülle von Kritik an den gesellschaftlichen, insbesondere auch wirtschaftlichen Bedingungen der DDR gekennzeichnet. Neben zahlreichen Anregungen zu einer realistischeren Sicht enthalten aber viele dieser Schriften den Versuch ihrer Autoren, sich von der eigenen DDR-Vergangenheit, der eigenen Rolle in deren gesellschaftlichen Gefüge, zu emanzipieren. Es wimmelt dort von Autoren, die zwar herausgehobene Positionen in Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Verwaltung, Regierung oder Parteigremien innehatten, aber eigentlich "schon immer" oder zumindest "schon lange" wussten, dass die wirtschaftliche Entwicklung der DDR in eine Sackgasse führen würde.

Auch bei der Nutzung westlicher Publikationen stellt sich ein dringender Interpretationsbedarf ein. Westlichen Autoren fehlt häufig das Vermögen, gelegentlich auch die Bereitschaft, sich in die Realitäten des DDR-Alltags hineinzuversetzen. Besonders bei Arbeiten, deren Verfasser den politischen Parteien nahestehen,fällt auf, dass sie weniger wissenschaftliche als vielmehr didaktische Funktionen im Rahmen der politischen Bildung erfüllen oder sogar direkten politischen Zielen dienen. Häme und Spott sowie grobe Verallgemeinerungen prägen den sprachlichen und methodischen Stil solcher Schriften, überwiegen eine wirklich sachliche Auseinandersetzung mit den Verhältnissen der DDR.

Der Verfasser kommt zu dem Fazit, dass in der DDR sehr wohl eigene Wege wirtschaftlicher und industrieller Entwicklung beschritten wurden, die durchaus ihrem gesellschaftlichen Selbstverständnis, jedoch gebrochen durch die externen Rahmenbedingungen, entsprachen. Er stellt einen noch erheblichen Forschungsbedarf fest.

Keywords:
  • Produktionsmodell
  • industrielle Entwicklung
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik

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