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Lebensstil oder Schicht? Ein Vergleich zweier Konzepte im Hinblick auf ihre Bedeutung für die subjektive Gesundheit unter besonderer Berücksichtigung der gesundheitlichen Kontrollüberzeugungen

Christian Janßen

ISBN 978-3-89722-320-2
210 Seiten, Erscheinungsjahr: 1999
Preis: 40.00 €
Die in den 80er Jahren begonnene soziologische Diskussion in der Sozialstrukturforschung hat auch die Sozial-Epidemiologie, welche das biomedizinische Modell der Krankheitsentstehung um Faktoren der kulturellen, politischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen erweitert, beeinflusst: Obwohl nach wie vor Zusammenhänge zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit nachgewiesen werden, steht die Frage zur Diskussion, ob konventionelle Konzepte wie soziale Schicht oder Klasse noch immer zur Erklärung von gesundheitlicher Ungleichheit herangezogen werden können. Dahinter steht die These, dass andere, neuere Konzepte - wie z.B. gesundheitsbezogene Lebensstile - potentere Erklärungsansätze zur Darstellung und Analyse gesundheitlicher Ungleichheit bilden.

In der vorgelegten Arbeit soll deshalb der Versuch unternommen werden, die beiden theoretischen Konzepte soziale Schicht und gesundheitsbezogener Lebensstil hinsichtlich ihrer Bedeutung für die subjektiv wahrgenommene, individuelle Gesundheit gegenüberzustellen und zu bewerten. Das Analyseziel ist ein Vergleich der prädiktiven Potenz beider Konzepte im Hinblick auf den subjektiven Gesundheitsstatus, wobei darüber hinaus geklärt werden soll, ob dieses Verhältnis nicht besser als komplementär beschrieben werden kann.

Die Analyse verwendet die Daten der Untersuchung "Gesundheit und ambulante Versorgung in Deutschland (GAVID)", welche 1992 mit Hilfe einer schriftlichen Bevölkerungsumfrage in den neuen und alten Ländern der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wurde. Der Datensatz umfasst insgesamt 2.674 Personen, davon lebten zum Befragungszeitpunkt 1.310 Personen in den neuen und 1.264 Personen in den alten Bundesländern. Die Rücklaufquote der bevölkerungsrepräsentativen Befragung lag somit in den neuen Bundesländern bei 52 % und in den alten Bundesländern bei 57 %; zur Analyse wurden deskriptive, faktorenanalytische sowie regressionsbasierte Verfahren angewandt.

Betrachtet man die einzelnen Regressionsmodelle, so fällt auf, dass die gesundheitliche Selbsteinschätzung sowohl mit sozialer Schicht als auch mit gesundheitsbezogenem Lebensstil in signifikanter Weise korrespondiert. Beide Konzepte tragen in etwa den gleichen Anteil zur erklärten Varianz bei. Führt man jedoch in einem verbindenden Modell anhand einer theoretisch fundierten Reihenfolge Lebensstil nach Schicht ein, so ist die zusätzlich erklärte Varianz durch die Lebensstilvariablen als eher gering einzustufen. Diese Ergebnisse werden durch eine anschliessende Pfadanalyse gestützt. Während Schicht sowohl direkte als auch indirekte Effekte aufweist, sind die Effekte des Lebensstilindikators bei gleichzeitiger Einführung beider Indikatoren nicht mehr signifikant.

Als grundlegendes Ergebnis bleibt somit festzuhalten, dass für die Erklärung der subjektiv wahrgenommenen Gesundheit schichttheoretischen Konzepten eine höhere prädiktive Bedeutung als lebensstilbasierten eingeräumt werden muss. Der Anspruch der Lebensstiltheorie auf eine Art Ablösung des Schichtmodells durch den Lebensstilansatz lässt sich im Hinblick auf sozialepidemiologische Fragestellungen nicht aufrecht erhalten. Vielmehr scheint der gesundheitsbezogene Lebensstil ein Teil des Schichtkonstruktes in der Form zu sein, dass der Zusammenhang zwischen der subjektiven Gesundheit und der individuellen Schichtzugehörigkeit zumindest teilweise durch sozial ungleich verteilte Lebensstile vermittelt wird.

Keywords:
  • Soziale Schicht
  • Gesundheitliche Kontrollüberzeugungen
  • Gesundheitsbezogener Lebensstil
  • Subjektive Gesundheit
  • Vergleich Ostdeutschland - Westdeutschland

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