
Das System der Psyche. Eine kritische Untersuchung zur Theorie soziogener Introspektion
Léonard Loew
ISBN 978-3-8325-6126-0
125 Seiten, Erscheinungsjahr: 2026
Preis: 34.00 €
Die Trennung von Psyche und Gesellschaft ist der theoretische Fixpunkt der
Systemphilosophie. Diese beansprucht mit der Suspendierung des Subjekts auch die
damit verbundenen epistemologischen Probleme hinter sich zu lassen. Zu diesem
Zweck wird die Psyche konzeptionell aus der Gesellschaft ausgelagert. Das
psychische System kann Gesellschaft und Kommunikation beobachten, nicht jedoch
daran teilnehmen. Hier liegt das große Potential, zugleich die Achillesferse der
Systemphilosophie. Denn da der Sinn als originär sozial konzipiert wird, bleibt die
Psyche theoriestrukturell subordiniert. Die Trennung von Psyche und Gesellschaft
wird durch das Theorem der Sinnsozialität faktisch aufgehoben und die Gesellschaft
indirekt in die Psyche eingebaut. Dies erzeugt eine theorielogische Asymmetrie, mit
der die Systemphilosophie — aufbauend auf der Paradoxie der glq Selbstsozialisationgrq —
eine theorienormative Setzung vornimmt. In radikal gesellschaftstheoretischer
Perspektive wird die Psyche als tabula rasa konzipiert, die erst durch die beständige
Belieferung mit Sinn seitens der Gesellschaft zu ihrer Eigenheitlichkeit, letztlich zu ihrer Existenz kommt. Die Psyche bleibt damit außen vor, jenseits der
Kommunikation, jenseits des Sinns, jenseits auch noch des Bewusstseins. Denn die
sinnbasierte Introspektion ist ebenfalls mit Vergesellschaftungen überzogen. Die
vorliegende Studie untersucht diese voraussetzungsreiche Theoriekonstruktion
kritisch und eruiert ihre Konsequenzen für die systemphilosophische Theoriestatik und ihr Menschenbild.