Innerlichkeit. Eine diskursexemplarische Studie zur Kommunikationsphilosophie und Historischen Semantik der Psyche
Leonard Loew
ISBN 978-3-8325-6058-4
214 Seiten, Erscheinungsjahr: 2026
Preis: 39.00 €
Die Innerlichkeit spaltet — als Spezifikum des introspektiv organisierten Bewusstseinsstromes — zugleich eine Äußerlichkeit von sich ab: die Welt. Die ideengeschichtlich evolvierte Polarität von Psyche und Gesellschaft produziert eine seelische Innen-Außen-Topologie. Innerlichkeit oszilliert damit zwischen phänomenaler Exklusivität und sozialer Isolation. Die Intention von Kommunikation besteht demgegenüber im Aufbrechen dieser Isolation. Die moralische Entrüstung, mit der Innerlichkeit regelmäßig beklagt wird, resultiert wiederum aus einer unaufgelösten Kommunikationsenttäuschung. Alles Sprechen oder Schreiben, so die Vorstellung, kann doch nicht das Innere gänzlich zum Ausdruck bringen geschweige denn durchdringen. Wird dieser ,psychische Rest` schmerzlich bewusst, setzt sich die Kommunikation jedoch oftmals gerade fort. Im Umkreisen und Umformulieren des Gemeinten — dabei Vermeinten — wird dann versucht, das Innere doch noch kommunikativ nach außen zu tragen, wenn auch zuletzt durch die Mitteilung der Nichtmitteilbarkeit. Die daraus erwachsende Innerlichkeitssemantik entfaltet damit eine inhärente Doppellogik. Innerlichkeit fungiert einerseits als Gegenpol, als psychisches Kommunikationsveto und zugleich als Dauerstimulation der Kommunikation. Die vorliegende Studie untersucht auf der Grundlage exemplarischer Diskurse die kommunikationslogischen und historisch-semantischen Strukturen dieser Ambivalenz.