Untersuchungen zu objektbasierten und räumlichen Arbeitsgedächtnisprozessen bei gesunden Probanden und Patienten mit erworbener Hirnschädigung
Kathrin Finke
ISBN 978-3-89722-875-7
145 Seiten, Erscheinungsjahr: 2002
Preis: 40.50 EUR
Stichworte/keywords: Neuropsychologie , Patientenstudie , Visuelles Arbeitsgedächtnis , Experimentelle Verfahren , Raum- und Objektinformation
Die Arbeit befaßt sich mit der Entwicklung eines visuellen
Arbeitsgedächtnis-Verfahrens zur Erfassung von
Aufrechterhaltungsprozessen für objektbasierte und räumliche
Information bei gesunden und hirngeschädigten Probanden. Die
Vorteile des Paradigmas bestehen in einer hinsichtlich Instruktion,
Aufgabenablauf und Reaktionsanforderung einfachen,
patientengerechten Methodik, im Einsatz strukturgleichen
Materials für objektbasierte und räumliche Information sowie in der
Möglichkeit, die Ausgangsschwierigkeiten der Aufgaben für
gesunde Probanden und Patienten auszugleichen.
Untersuchungen gesunder Probanden mit diesem Verfahren
zeigten innerhalb weniger Sekunden Delay-Effekte für räumliche
sowie objektbasierte Information, wobei die Verlustrate unabhängig
von der Art und Güte der vorausgehenden Enkodierungprozesse
war. Systematische Alterseffekte ließen sich dabei weder für die
Genauigkeit der Enkodierung noch für den Delay-Effekt nachweisen.
Eine Untersuchung von hirngeschädigten Patienten erbrachte
materialspezifische Einbußen der Enkodierung und
Aufrechterhaltung von Rauminformation in einer Patientengruppe mit
posterior-parietalen Schädigungen sowie in Einzelfällen
entsprechende materialspezifische Einbußen für Objektinformation
in einer Patientengruppe mit temporalen Schädigungen.
In einer kleineren Untersuchungsgruppe deutete sich an, dass
frontale Schädigungen weniger kritisch als posteriore für die
Aufrechterhaltung von visueller Information im Arbeitsgedächtnis
sind.
Die Ergebnisse stützen das Arbeitsgedächtnis-Modell von
Baddeley und Logie (1995), das von einer Trennung objektbasierter
und räumlicher Arbeitsgedächtnisprozesse ausgeht
sowie die anatomische Zuordnung parietaler bzw. temporaler
Areale zu diesen Teilsystemen durch Jonides und Smith (1997).