Metapher und Wahrheit
Burkhard Radtke
ISBN 978-3-89722-652-4
143 Seiten, Erscheinungsjahr: 2001
Preis: 20.00 EUR
Stichworte/keywords: Metapher , Wahrheit , Bedeutung , Semantik , Pragmatik
Auf welche Weise können metaphorische Äußerungen wahr bzw.
falsch sein? Unsere alltagssprachliche Praxis legt nahe, dass
man unterscheiden muss zwischen dem, was mit einer Äußerung
gesagt wird, fasst man diese wörtlich auf, und dem, was mit
der Äußerung gesagt wird, fasst man sie metaphorisch auf.
Ferner spricht unsere alltagssprachliche Praxis dafür, dass
sowohl das mit einer wörtlich aufgefassten Äußerung Gesagte
als auch das mit einer metaphorisch aufgefassten Äußerung
Gesagte einen Wahrheitswert haben kann. Demnach mag es
vorkommen, dass eine metaphorische Äußerung zu Recht sowohl
falsch als auch wahr genannt wird, insofern nämlich das mit
ihr Gesagte, versteht man sie wörtlich, falsch und das mit ihr
Gesagte, versteht man sie metaphorisch, wahr ist.
"Metaphorische Wahrheit" meint vor diesem Hintergrund nicht
eine besondere Art von Wahrheit, sondern eine besondere Art,
Wahrheiten auszudrücken.
Der Verfasser macht sich diese alltagssprachlich
fundierte Betrachtungsweise zu eigen und wendet sich damit
gegen die von sehr heterogenen Standpunkten vorgetragene und
in der Metaphernforschung sehr prominente Ansicht, dass das,
was mit einer Äußerung gesagt wird, versteht man sie
metaphorisch, niemals wahr oder falsch sei. In einem ersten
Teil erweist der Autor die Argumente Loewenbergs, Blacks und
Davidsons gegen die These, metaphorische Äußerungen seien
metaphorisch aufgefasst zuweilen wahr oder falsch, als nicht
stichhaltig. In einem zweiten Teil untersucht er, wie bestimmt
werden kann, welche Wahrheit (oder Falschheit) in einer
metaphorisch verstandenen Äußerung ausgedrückt wird. Dazu
prüft der Verfasser einerseits Versuche, das mit einer
Äußerung Gesagte, versteht man sie metaphorisch, als
konventionell-sprachlich ausgedrückte Proposition anzusehen,
und andererseits Versuche, das mit einer metaphorisch
verstandenen Äußerung Gesagte als die Proposition aufzufassen,
welche vom Sprecher mitzuteilen intendiert wird. Der Autor
argumentiert dafür, dass beide Reduktionsversuche
fehlschlagen. Fünf semantische Konzeptionen
(Merkmalsselektionstheorie, Ambiguitätstheorie,
Extensionsverschiebungstheorie, Bedeutungsexpansionstheorie
und Merkmalsmultiplikationstheorie) und zwei pragmatische
Konzeptionen (Sprecherbedeutungstheorie und
Elliptisches-Gleichnistheorie) werden diskutiert. Der
Verfasser weist alle untersuchten Theorien zurück, und gibt
eine an Fogelin und Nogales orientierte Antwort auf die Frage,
unter welchen Bedingungen die Äußerung eines metaphorisch
verstandenen einfachen prädikativen Satzes eine wahre
Proposition ausdrückt.
Dr. Burkhard Radtke lehrt an fünf Hochschulen Rhetorik, Philosophie und Personalmanagement. Darüber hinaus ist er Trainer, Berater und Coach für Kommunikation, Kundendialog und Mitarbeiterführung. Mehr unter: www.efficientia-consulting.de