Die fundamentalen Phänomene der Quantenmechanik und ihre Bedeutung für unser Weltbild
Kurt Bräuer
ISBN 978-3-89722-464-3
228 Seiten, Erscheinungsjahr: 2000
Preis: 18.00 EUR
Stichworte/keywords: Quantenmechanik , Weltbilder
Zusammenfassung
Die Begründer der bedeutendsten
physikalischen Theorien haben sich immer sehr intensiv mit der Bedeutung
ihrer Theorien auseinandergesetzt. Ihre tiefgreifenden Gedanken sind ausgesprochen
faszinierend und wichtig für ein Naturverständnis. Leider geht
im Lauf der Zeit viel davon verloren und Mathematik und Rechentechnik gewinnt
immer mehr an Bedeutung. Das kommt wohl daher, daß auf diesen Gebieten
Neues möglich ist.
Das vorliegende Buch liefert
eine Zusammenfassung der Gedanken vieler großer Physiker, aber auch
Biologen und Psychologen. Sie alle haben sich hochqualifiziert, intensiv
und tiefschürfend mit den Naturwissenschaften und ihrem Zusammenhang
zur Wirklichkeit auseinandergesetzt.
Die einzelnen Kapitel führen
von den eher formalen Aspekten der Quantenmechanik über zur Interpretation
und zum Weltbild.
Die Physik, und damit auch die
Quantenmechanik, basiert auf Symmetrien. Unabhängige Beobachter sollen
zu einer einheitlichen Beschreibung der Naturphänome kommen. Daraus
lassen sich alle Erhaltungssätze und Meßgrößen ableiten
und die Grundgleichungen der Physik aufstellen.
Raum und Zeit erweisen sich als
eine Grundbedingung dafür, daß Individuen eine gemeinsame Welt
erfahren. Daraus folgen direkt die Gesetze für eine deterministische
Zeitentwicklung der quantenmechanischen Wellenfunktion.
Die Quantenmechanik lehrt jedoch
durch ihre Unschärferelationen und die Komplementarität verschiedener
Meßgrößen, daß die Naturphänomene durch diese
Symmetrien nicht vollständig festgelegt sind. Photonen oder Elektronen
zum Beispiel sind weder kleine Kügelchen, die sich unter der Einwirkung
verschiedener Kräfte auf Trajektorien durch die Raumzeit bewegen,
noch sind sie Wellen. Sie haben keine eindeutige Wirkung. Eigentlich sind
sie reine Symmetriebeziehungen, welche die beobachtbaren Phänomen
so einschränken, daß viele potentielle Beobachter dasselben
Phänomen erfahren können.
Zur Manifestation eindeutiger
Phänomene kommt es nur im Bereich des Beobachtbaren. Zwischen Quelle
und Detektor ist ein Quant nicht beobachtbar und sein Verhalten ist nicht
völlig festgelegt. Die Wirkung auf den Detektor ist jedoch ein beobachtbares
und damit eindeutiges Phänomen. Sie ist ein Bestandteil der erfahrbaren
Wirklichkeit.
Die Reduktion unscharfer Symmetriebeziehungen
zu eindeutigen Tatsachen beim Meßprozeß ist nichtlokal und
irreversibel. Die Nichtlokalität ist dabei für uns nicht zu begreifen,
denn die Inhalte unseres individuellen Bewußtseins werden ausschließlich
aus unabhängigen, in Raum und Zeit isolierten Objekten zusammengesetzt.
Hier deuten sich Einschränkungen unserer individuellen Welterfahrung
an und Wolfgang Pauli sah im Erscheinen der eindeutigen Phänomene
physikalische Hinweise auf ein kollektives, nichtlokales Bewußtsein
im Sinne von Carl Gustav Jung.
Der irreversible Charakter des
Meßprozesses hingegen ist uns sehr vertraut aus unserer täglichen
Erfahrung. Wir erfahren sehr viele Abläufe, die nicht invariant unter
Zeitumkehr sind. Die physikalischen Grundgesetze, also auch die Grundgleichungen
der Quantenmechanik, unterliegen der Zeitumkehrsymmetrie. Die Symmetrie
wird gebrochen durch das Erscheinen eindeutiger Phänomene im Rahmen
des symmetrisch Möglichen.
Reduktion und Wahrnehmbarkeit
spielt nicht nur in der Quantenmechanik eine entscheidende Rolle. Um die
Entropie oder die Temperatur eines Gases richtig zu berechnen, muß
man annehmen, daß die Gasmoleküle ununterscheidbar sind. Das
bedeutet aber, daß sie sich nicht auf Trajektorien bewegen, mit Hilfe
derer man sie zumindest prinzipiell unterscheiden könnte. Die Trajektorien
sind nicht beobachtbar und daher sind sie keine Grundlage für Wärmephänomene.
Die Moleküle bewegen sich in ihrer Gesamtheit nicht auf Trajektorien.
Sie können, genauso wie die quantenmechanischen Meßergebnisse,
nur statistisch erfaßt werden und die statistische Behandlung liefert
entscheidend andere Ergebnisse als eine inkohärente Addition konkreter
Einzelereignisse.
Nach Niels Bohr muß auch
biologisches Wachstum ganz analog gesehen werden. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten
sind nicht ausreichend, um Lebensprozesse zu erklären. Die physikalischen
Gesetze bilden eine Grundlage für eine individuelle Wahrnehmung der
Lebensformen. Die Formen selber bilden sich in diesem Rahmen aus, indem
sie wahrnehmbar werden.
Unsere Wirklichkeit besteht aus
Phänomen. Auch wenn diese fast beliebig in Teilphänomene zerlegt
werden können, so ist die Wirklichkeit doch nicht aufgebaut aus Kügelchen,
die sich unter Kraftwirkungen auf Trajektorien bewegen. Sie ist auch nicht
vollständig berechenbar. Phänomene erscheinen als Ganzes im Lichte
unseres Bewußtseins.
Daher ist die Struktur der klassischen
Welt unserer Wahrnehmung auch eng verknüpft mit der Struktur unseres
individuellen Bewußtseins. Dieses baut sich auf aus einzelnen Gedächtnisinhalten,
die ihrer Natur nach unabhängige Objekte repräsentieren. Der
nichtlokale, ganzheitliche Charakter der Manifestationen, der in Quantenexperimenten
explizit nachweisbar ist, bleibt weitgehend unbewußt.
Unbewußtes manifestiert
sich in Raum und Zeit, in der inneren und äußeren Welt. So dringt
es ins individuelle Bewußtsein. In der Welt, also auch in unseren
Mitmenschen, haben wir die Chance uns zu erkennen; unser Ego und unser
ganzes Selbst.