Arbeitsgedächtnis und Hintergrundschall. Gibt es einen Irrelevant Sound Effect bei auditiv präsentierten Items?
Sabine Schlittmeier
ISBN 978-3-8325-0922-4
200 Seiten, Erscheinungsjahr: 2005
Preis: 40.50 EUR
Stichworte/keywords: Gedächtnis , Lärm , Irrelevanter Schall , Arbeitsgedächtnis , Auditive Items
Die verbale Arbeitsgedächtnisleistung für gelesenes Material wird durch
irrelevante Schalle mit distinkten temporal-spektralen Schwankungen, wie
Hintergrundsprache oder Musik mit prominenten Stakkato-Passagen
signifikant gestört. Dieser sog. Irrelevant Sound Effect (ISE) ist ein für
visuell präsentiertes Behaltensmaterial wiederholt und in vielen Aspekten
ausgeleuchtetes Phänomen. Für auditiv präsentiertes, also gehörtes
Behaltensmaterial ist der Effekt jedoch kaum untersucht, und das obgleich
das Enkodieren, Aufrechterhalten und Verarbeiten gehörter Sprache für den
Menschen von besonderer Bedeutung ist und oftmals unter irrelevantem
Schall geleistet werden muss (z. B. Arbeitnehmer im Gruppenbüro, Schüler
im Klassenzimmer).
Insgesamt sieben Experimente testen systematisch, ob bei gehörten Items
die gleichen irrelevanten sprachlichen und nicht-sprachlichen Schalle
(Sprache, Stakkato-Musik, Sequenzen verschiedener Sinustöne)
behaltensmindernd auf die verbale Arbeitsgedächtnisleistung wirken wie bei
gelesenen Items, sprich ob der ISE modalitätsunabhängig ist. Dabei wird
insbesondere die bei auditiven Items gegebene Störwirkung auch gegenüber
Alternativerklärungen, wie vermehrter Höranstrengung oder einer gestörten
Enkodierung experimentell abgesichert.
Die Experimentalergebnisse sind sowohl in theoretischer wie
anwendungsbezogener Hinsicht von Interesse. Die grundlagenwissenschaftlich
orientierte Doktorarbeit stellt kritisch die aktuell um die Erklärung des
ISE konkurrierenden Arbeitsgedächtnismodelle dar, wie auch Implikationen
für kognitionspsychologisch begründete Lärmschutzmaßnahmen. Die
vorliegende Arbeit abschließend, werden anwendungsbezogene Weiterführungen
der durchgeführten Experimente vorgestellt, in denen die Effizienz
konkreter, in Büroumwelten realisierbarer Schallschutzmaßnahmen geprüft
wurde.