Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1772-1806) als Musiker im soziokulturellen Umfeld seiner Zeit
Tobias Debuch
ISBN 978-3-8325-0631-5
277 pages, year of publication: 2004
price: 33.00 EUR
Stichworte/keywords: Preußen , Hohenzollern , Beethoven , Musik , Frühromantik
Ebenfalls von Tobias Debuch erschienen: Anna Amalia von Preussen (1723-1787). Prinzessin und Musikerin
Carl von Clausewitz schrieb rückblickend im Dezember 1806 über den zwei Monate zuvor gefallenen Prinz Louis
Ferdinand von Preußen:
"So unangenehm es war, die Kampagne mit einem unglücklichen Gefecht eröffnet zu sehen, so war doch
bei weitem der größte Verlust, den wir dabei erlitten, das Leben eines Prinzen, der schon lange die
Augen von ganz Europa auf sich gezogen hatte und Eigenschaften besaß, die auf die Erscheinung eines
zweiten Condé in der Geschichte die größte Hoffnung machte. Es gibt wenig Menschen, derem ganzen
Wesen die Natur den Heldencharakter so deutlich aufgeprägt hätte, und selten gehen aus ihrer Hand so
reich, ich möchte sagen, so prächtig ausgestattete Menschen hervor."
Diese Sätze mögen die Bedeutung veranschaulichen, die Louis Ferdinand für das Preußen seiner Zeit und für
seine Nachwelt hatte. Diese Bedeutung ist bis heute in vielen Bereichen untersucht und dargelegt worden,
doch ist sie in den seltensten Fällen von der direkt nach seinem Tode einsetzenden Heldenverehrung und
Mystifizierung befreit worden.
Aus den meisten Veröffentlichungen, die den Prinzen betreffen, wird ersichtlich, daß Louis Ferdinand von
Preußen nicht nur als Soldat oder Staatsmann sondern ebenso als Musiker Gewicht zukommt, doch existieren
hierüber leider kaum Untersuchungen.
Ausgerechnet die Musik und das musikalische Wirken Louis Ferdinands
sind bis heute, vielleicht gerade weil die Relevanz dieses Prinzen für die Geschichte Preußens so enorm
waren, hinter dieser in Vergessenheit geraten.
Dabei trat Louis Ferdinand bereits zu Lebzeiten als glänzender Pianist hervor, der sich des Lobes
Beethovens erfreuen konnte, und sein musikalisches Werk wirkte inspirierend auf kommende Generationen von
Komponisten. Darüber hinaus steht das Werk Louis Ferdinands im Grenzbereich zweier musikgeschichtlicher
Epochen, der klassischen und romantischen.
So schrieb beispielsweise Robert Schumann 1840 über den Prinzen:
"Vielleicht erinnert man sich auch des romantischsten aller Fürstensöhne, des Prinzen Louis Ferdinand
von Preußen und seiner Quartette, die ihm in der Geschichte der Musik ein unvergängliches Andenken
sichern."
Louis Ferdinand von Preußen zählt musikalisch zum Umkreis Ludwig van Beethovens, den er auch persönlich
kannte und schätzte. Das erste Treffen der beiden fand anläßlich des Beethovenbesuchs in Berlin im Jahre
1796 statt, wobei Beethoven schon zu diesem Zeitpunkt das Klavierspiel des Prinzen höher schätzte als das
Heinrich Himmels, der zu diesem Zeitpunkt immerhin als preußischer Hofkapellmeister fungierte. Himmel
"besitze ein artiges Talent, weiter aber nichts; sein Klavierspiel sei elegant und angenehm, allein
mit dem Prinzen Louis Ferdinand sei er gar nicht zu vergleichen."
Eine zweite Begegnung Louis Ferdinands mit Beethoven fand 1804 während der diplomatischen Bemühungen des
Prinzen in Wien statt. In der Folge dieses erneuten Treffens widmete Ludwig van Beethoven Louis Ferdinand
sein drittes Klavierkonzert, op. 37. Es ist darüber hinaus davon auszugehen, daß auch Beethovens Sinfonie
Nr. 3 Eroica Louis Ferdinand von Preußen gewidmet ist. Die Widmung kam auf Betreiben Fürst Franz Joseph
Maximilian von Lobkowitz zustande, dem wohl wichtigsten Mäzen Beethovens und wiederum engen Freund
Louis Ferdinands.
Die Werke Louis Ferdinands wirkten inspirierend auf Schubert, Weber, Spohr und vielleicht sogar Chopin.
Robert Schumann hat auf den Vorläufer-Charakter von Louis Ferdinands Musik für sein eigenes Werk
hingewiesen und hat den Satz geprägt, es seien
"auf die neue Musik vor allem Franz Schubert und Prinz Louis Ferdinand von Preußen, ein paar höchst
poetische Naturen, von großem Einfluß" gewesen.
Louis Ferdinand also auf Augenhöhe mit Franz Schubert als ein Mitbegründer der "neuen Musik", der
musikalischen Romantik, beziehungsweise als ein - und so wird der Prinz heutzutage eingeordnet -
herausragender Komponist einer deutschen Frühromantik?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich erstmals mit dieser und ähnlichen Fragen im Kontext der
außergewöhnlichen Biographie des Prinzen. Dabei werden nicht nur eine Vielzahl an neuen biographischen
Details sondern vor allem auch längst überfällige Fragen zur musikalischen Ausbildung und zum musikalischen
Umfeld Louis Ferdinands von Preußen gestellt und beantwortet. So zum Beispiel auch diejenige nach dem
Verbleib des umfangreichen Nachlasses oder diejenige, ob der Prinz tatsächlich der sagenumwobene "grand
uomo" sein könnte, dem die Eroica Ludwig van Beethovens gewidmet ist. Darüber hinaus wird die Biographie
Louis Ferdinands ausführlich dargestellt und vielfach berichtigt. Dazu wurden höchst umfangreiche
Quellenstudien betrieben und zahlreiche neue Quellen ausgewertet.
Am Ende entsteht ein eindrucksvolles und wohl auch erstmals komplettes Bild des preußischen Prinzen, da der
Zugang sowohl aus biographischer Sicht als auch über die Musik entsteht.